
Johan Alfred hatte 2 Söhne: Alvar geboren 1903 und Anker geboren1907. Beide waren von einem frühen Alter an im Bootsbau einbezogen. Schulunterricht gab es zu der Zeit nur jeden 2. Tag, daher hatten sie Zeit, in der Werft zu arbeiten. Alvar wurde so geschickt, dass er in den 1920er Jahren seinen Vater Johan Alfred in einem Wettbewerb um den besten schwedischen Bootbauer herausforderte. Die Spitze der schwedischen Hersteller nahm ebenfalls daran teil, aber Alvar gewann und sein Vater kam auf den 2. Platz. Dies führte zu einem sehr gespannten Verhältnis zwischen Vater und Sohn und endete damit, dass Alvar in die Stadt Karlskoga umzog.
1967 lieferte die VKV Werft 5 Anita K-2 Kajaks an eine amerikanische Gruppe, die für National Geographic eine Paddelexpedition entlang der japanischen Ostküste ausführte. Das Ergebnis waren 50 Seiten mit vielen schönen Bildern in der Zeitschrift National Geographic und ausgedehnte internationale Aufmerksamkeit für VKV.
1980 feierte Anker seinen 73. Geburtstag und übertrug die Führung des Betriebs auf Ingvar.
1979 erliess Schweden ein Gesetz, dass die Verarbeitung von Epoxid in der Bauweise der VKV-Kajaks ausschliess. Dieses Gesetz beendete den Bau von VKV Rennkajaks aus Holz und VKV musste ein Ersatzprodukt finden. Damit begann eine neue Epoche. Die neuen Produkte die aus Faserverbundwerkstoffen bestehen, sind eine Technik worin Ingvar vom Bau seiner Modellflugzeuge Erfahrung hatte.
Es folgte eine schwierige Umstellungsperiode mit dem Augenmerk auf Langstreckenpaddeln und Paddelexpeditionen. Dieser Teil des Kajaksports interessierte Ingvar besonders und er konnte seinen Ideen freien Lauf lassen. Er hatte in den 70er Jahren einige Versuche mit Verwendung von verstärkten Kunststoffen gemacht und Prototypen für die Lisa- und Kåremodelle gebaut, sowie Formen für Anita K1 und K2. 1982 entwickelte er Modelle für Yo-A-Kim, 1991 für Seagull Elite, 1992 für Seagull Off Shore und 1995 für Seagull Ocean.
Yo-A-Kim erwies sich als der unübertroffene Familienkajak, er wurde aber auch in Expeditionen wie die Überquerung der Ostsee von Schweden nach Lettland und der Biscayexpedition von Portugal nach Frankreich benutzt.
Die Seagullmodelle sind auf allen Meeren gepaddelt worden. Sie paddelten um Kap Hoorn in beide Richtungen, das Nordkap in beide Richtungen, und um die Insel Borneo.
Die äusserste Probe für das schwedische Langestreckenpaddeln ist entlang der gesamten schwedischen Küste von der Grenze Norwegens im Westen bis zur Grenzmarkierung Finnlands im Norden. Der Preis ist das “Blaue Band der Seekajaks”. Ungefähr 5x so viele Paddler haben einen VKV Kajak benutzt im Vergleich mit anderen Kajakmarken.
Die Liste von VKV Expeditionen ist lang.
Seit dem Anfang in 1925 hat VKV ungefähr 13.000 Kajaks gebaut, davon waren 4.800 Rennkajaks verschiedener Modelle und ungefähr 4.000 waren Lisa Kajaks. Lisa ist der meistgekaufte Kajak in Skandinavien. Für schwedisches Schärenpaddeln entworfen, wurde Lisa ein Volltreffer für diese Verhältnisse.
Die Seagullmodelle gewinnen dagegen mehr und mehr an Boden auf dem internationalen Markt.
Ingvar führt noch immer das Unternehmen, aber seine 2 Söhne Kim und Kåre arbeiten ebenfalls in der Firma. Wenn die Zeit kommt, die Leitung zu übergeben, steht die nächste Generation bereit.
In früheren Zeiten war eine geschulte Berufsausbildung im Handwerk nicht so üblich wie heute. Die Kinder erlernten den Beruf der Eltern und ihr Leben verlief im allgemeinen in den gleichen Bahnen. Dies traf besonders auf die Inseln des schwedischen Archipels zu. Der Vater baute häufig die Boote der Familie und lehrte diese Technik seinen Söhnen. Bei Carl Månsson, geboren 1832, zeigte es sich schon in jungen Jahren, dass er besondere Fähigkeiten besass. Seine Boote waren bei Leuten aus der Gegend sehr beliebt.
Er lebte auf der kleinen Insel St. Kalvön in der Kirchgemeinde von Östra Ed und dort gründete er eine kleine Bootswerft. Er hatte ständig ein Boot im Bau an dem er arbeitete, wenn das Wetter seine reguläre Arbeit als Fischer nicht zuliess.
Carl hatte 2 Söhne, Carl Anton wurde 1862 und Johan Alfred 1873 geboren. Johan Alfred war mit vielen Bootsbau-Genen ausgerüstet und hatte das instinktive Gefühl für sowohl den Entwurf als auch für das Material. Es schien, als ob Gott selbst die Rippe oder das Brett für das Boot erschaffen hatte, an dem Johan Alfred gerade baute.
Johan Alfred ging als Siebzehnjähriger nach Stockholm, um sich dort als Möbeltischler auszubilden. Sein Ziel war es, sein besonderes Talent weiter zu entwickeln und nicht, als Möbeltischler zu arbeiten.
Waren die Boote von Johan Alfred vor der Ausbildung schön, so wurden sie mit den angeeigneten Sachkenntnissen etwas Ausserordentliches.
1897 fand die Weltausstellung in Stockholm statt und ein Wettbewerb für den besten schwedischen Bootbauer wurde ausgeschrieben. Johan Alfred bewarb sich als jüngster Teilnehmer, nur 24 Jahre alt, und gewann. Es muss der bedeutungsvollste Tag seines Lebens gewesen sein, denn er sprach für den Rest seines Lebens davon. 1907 kehrte er nach Zuhause zurück und erwarb ein Grundstück in Vitudden, ausserhalb der Stadt Västervik, da er beschlossen hatte, Boote in grösserem Umfang herzustellen. Er baute ein Trockendock und stellte Personal ein. In kurzer Zeit besass er eine Werft, die an der ganzen Küste berühmt wurde.
Der junge Anker besass ebenfalls das Talent und entwickelte sich zu einem geschickten Bootbauer. Doch ein Ereignis führte dazu, dass auch Johan Alfred dem Familienunternehmen, der Bootswerft, verloren ging. Als Anker ungefähr 14 Jahre alt war, sah er einen Kajaker an der Werft vorbeipaddeln. Das entzündete in Anker einen Funken und den Wunsch für sich selbst ein solches Kajak zu bauen. Die Kajaks dieser Zeit waren fast ausschliesslich nach der Rippen- und Segeltuchmethode gebaut, aber Anker wollte etwas anderes entwerfen. Er baute seinen Kajak nach einem Verfahren, in dem die Bretter Kante an Kante auf die Rippen genietet wurden.

Inzwischen war in der nahbelegenen Stadt Västervik ein Kanuclub gegründet worden, in dem Anker ein erfolgreicher Wettkämpfer wurde. Västervik besass einen Champion in Nils Wallin, dem besten Kajaker von Schweden, was für Ankers Kajaks internationale Aufmerksamkeit brachte.
Zu der Zeit bestanden keine spezifischen Vorschriften für die Konstruktion eines Kajaks. Es war bekannt, dass ein Kajak schneller sein würde, wenn er einen langen Rumpf hätte. Die Schmalspureisenbahn, die Västervik mit dem Rest Schwedens verband, erlaubte keine Fracht, die länger als 520 cm war. Als die internationale Kajak-Föderation den Standard für das Längenmass setzte, wurden aus diesem Grunde 520 cm als maximale Länge eines Einerrennkajaks gewählt.
Während der ersten 15 Jahre von VKV’s Existenz war es relativ einfach, ein neues Modell zu herauszubringen. Die Zeit zwischen Entwurf und Herstellung konnte so kurz wie eine Woche sein und viele neue Modelle wurden entwickelt.
Nach Beginn des 2. Weltkrieges hörte Anker, dass die Amerikaner Schwimmer für Wasserflugzeuge mittels Kreuzlaminierung aus Furnieren in einem Autoklav bauten. Dies faszinierte ihn und er baute sich einen Modellautoklav und erlernte die Technik.
Während des Krieges bestellte er einen Autoklaven, welcher nach seinen eigenen Zeichnungen hergestellt wurde. Im Winter 1943 erfolgte die Lieferung per Pferdeschlitten. Der Autoklav benötigte einen Gummisack, aber wie sollte er einen beschaffen, da aller Gummi stark rationiert war? Er fand einen Ausweg, indem er Zeitungsannoncen aufgab und nach alten Schuhen mit Gummisohlen fragte. In kürzester Zeit trafen sie zu Hunderten ein. Die Sohlen wurden abgelöst und an eine Fabrik in Trelleborg geschickt, die daraus die notwendigen Gummisäcke produzierte.
Das Zeitalter der formgrepressten Furnierkajaks begann. Ein Zeitalter, das die VKV Kajakwerft international berühmt machte.
Einige von den erprobten Modellen, wie Anita 1 und Anita 2, wurden auf die neue Technik umgestellt. Neue Modelle wurden ebenfalls entwickelt. Viele wurden legendär wie der VKV 48. Zu dieser Zeit gab es u.a. einige Kajaker aus Västervik, die Weltmeisterschaftsmedaillen errangen. Der grösste Gewinner von allen war das Kajakmodell VKV-100, das im Jahre 1962 entwickelt wurde. Rolf Pettersson gewann 1964 seine olympische Goldmedaille in Tokyo mit einem VKV-100. Der VKV eroberte über 300 schwedische Meistertitel und lag an der Startlinie von 5 olympischen Spielen.
Ankers Sohn Ingvar wurde 1938 geboren. Auch er hatte die Bootsgene von Carl Månsson geerbt, ausserdem besass er einen starken Wissensdrang. Schon als Kind nahm er alles auseinander, was er in die Hand bekam, um herauszufinden, wie es konstruiert war. Von seinem dritten Lebensjahr an, lernte er mit Werkzeugen umzugehen und verbrachte mehr Zeit in der Werkstatt als mit seinen Freunden.
Während des Krieges waren militärische Wasserflugzeuge auf der naheliegenden Insel Luzerna stationiert. Ingvar konnte täglich Start und Landung der Flugzeuge beobachten und er war fasziniert, wie schnell sich die Flugzeuge auf dem Wasser fortbewegen konnten. Er verstand, dass es möglich sein müsste, Boote mit der selben Leistungsfähigkeit zu bauen, wenn man die Luft als Träger dazu benutzen würde.
Ingvar experimentierte mit diesem Konzept an Modellen und war mit nur 16 Jahren bereit, sein erstes Boot in voller Grösse zu bauen..



Das verminderte den Widerstand, so dass das Boot „fliegen“ konnte. Das Boot erregte viel Interesse und resultierte in 5 weiteren fortgeschritteneren Booten, wovon eins in einem Artikel über die meist aufsehenerregendsten Boote des 20. Jahrhunderts erwähnt wurde. Zwei der Konstruktionen erreichten eine Geschwindigkeit bis zu 100 Seemeilen..

